Urlaub in Istanbul

İznik am İznik See

İznik (ehem. Nicäa), Türkei - Keramik, Ausflug, Urlaub am See

Iznik, Lefke Tor

İznik ist mit heute ca. 22.000 Einwohnern eine kleinere Stadt in der östlichen Marmara-Region in der Provinz Bursa, ca. 200 km südöstlich von Istanbul.

Die Stadt İznik liegt am Ostufer des gleichnamigen İznik See (mit antikem Namen Ascanius), der mit ca. 40 km Länge und 12 km Breite der sechstgrößte natürliche See der Türkei ist.

 

Anfahrt nach İznik

Hotel in Iznik

Von Istanbul aus ist İznik am besten über Yalova zu erreichen, entweder auf dem Landweg über die D100 oder O-4/E80 vorbei an İzmit, oder – reizvoller – mit der Autofähre von Eskihisar, Yenikapi oder Pendik; von Yalova aus geht es dann weiter über die D575/E881 Richtung Bursa ca. 30-40 km bis Orhangazi, ab dort weisen Schilder den Weg ins 30-40 Minuten entfernte İznik/Nicaea.

Wer kein Auto zur Verfügung hat, kann auch mit dem Minibüs der İznik Minibüs ve Otobüsçüler Koop. (☎ +90 224 757-16-48 (İznik), +90 262 414-99-49 (Gölcük)) fahren, und zwar entweder von dem westlich von İzmit gelegenen Gölcük aus via Karamürsel, oder – für Istanbul-Besucher einfacher – man fährt mit der Fähre nach Yalova und nimmt von dort einen der Minibusse. Dieselbe Firma unterhält auch eine Linie vom Bahnhof in Osmaneli, der von Istanbul aus mit der Linie Istanbul-Ankara zu erreichen ist.

İznik, das alte Nicäa, ist für europäische Touristen v.a. auf Grund seiner kirchengeschichtlichen Bedeutung (Erstes Konzil von Nicäa, Bekenntnis von Nicäa) von Interesse, ist aber auch angesichts der zahlreichen Spuren und Sehenswürdigkeiten aus römischer, byzantinischer und osmanischer Zeit allgemein historisch reizvoll.

Gründung

Der Legende nach wurde die Stadt vom Gott Dionysos gegründet. Die historischen Quellen berichten, dass die Stadt von den Böotiern im Zuge der Kolonisierung gegründet wurde und ursprünglich den Namen Ancore (Steph. B. s. v.) oder Helicore (Geogr. Min. p. 40, ed. Hudson) trug; diese Gründung wurde von den Mysiern zerstört. Einige Jahre nach dem Tod Alexanders des Großen wurde die Stadt von Antigonus, einem der Generäle Alexanders, vermutlich im Jahre 316 v.Chr. nach seinem Sieg über Eumenes neu gegründet und nach ihm Antigoneia benannt (Steph. B. 1. c.; Eustath. Ad Horn. II. ii. 863).

Nach einer erfolgreichen Verschwörung einiger anderer der ehemaligen Generäle Alexanders, der sog. Diadochen, im Kampf um dessen Erbe wurde Antigonus besiegt und das Gebiet 301 v. Chr. dem thessalischen General Lysimachus übergeben. Lysimachus benannte die Stadt nach seiner Frau, einer Tochter des Antipater (Steph. B., Eustath., Strab., ll. cc.).

Anderen Quellen zufolge (Memnon, ap. Phot. Cod. 224. p. 233, ed. Bekker), wurde Nicäa von Männern aus der gleichnamigen Stadt bei den Thermopylen gegründet, die in Alexanders Armee gekämpft hatten.

 

Hellenistische Stadtanlage

Die Stadt wurde nach hellenistischem Muster in Form eines Quadrates mit 16 Stadien Umfang gegründet, mit vier Stadttoren, verbunden durch zwei Hauptachsen, die sich im Gymnasium im Mittelpunkt der Stadt trafen, von wo aus über die sich rechtwinklig kreuzenden Strassen hinweg die vier Stadttore zu sehen waren (Strabo xii. pp. 565 et seq.)

 

Frühe Geschichte von İznik

Die Stadt İznik lag an einem bedeutenden Kreuzungspunkt zwischen Galatien und Phrygien, was ihren schnellen wirtschaftlichen Aufschwung und ihre zunehmende Bedeutung erklärt. Die bithynischen Könige, beginnend mit Zipoetes 288 v. Chr., haben oft in Nicäa residiert, und in der Zeit Strabos wird die Stadt auf einigen Münzen als Metropolis von Bithynien gefeiert. Die Stadt lieferte sich einen langen Wettkampf mit Nicomedia um die führende Rolle in Bithynien; Dio Chrysostomus hat sich in seiner 38. Ode diesem Thema gewidmet, und es geht daraus hervor, dass, obwohl alleine Nicomedia der Titel der Metropolis zustand, beide Städte als führend galten.
72 v. Chr. gelangte Bithynien dann unter römische Herrschaft. Unter Augustus stand die Stadt wieder in Konkurrenz mit Nicomedia um den Sitz des Provinzstatthalters. Plinius der Jüngere baute als Statthalter von Bithynien unter Trajan die Stadt weiter aus, Hadrian begann anlässlich seines Besuches in Nicäa 123 n. Chr. Befestigungsarbeiten, die unter Claudius II. (Gothicus) im 3. Jh. n. Chr. beendet wurden, nachdem die Stadt 258 von den Gothen schwer beschädigt worden war. Auch Konstantin der Große trug zur Befestigung der Stadt bei, berühmt wurde diese aber v.a. durch das von ihm abgehaltene Erste Konzil von Nicäa 325. 787 wurde die Stadt zum zweiten Mal Schauplatz eines Konzils, dem sog. Zweiten Konzil von Nicäa, das im Bilderstreit die Verehrung, nicht aber die Anbetung von Ikonen unter bestimmten Auflagen erlaubte. Tatsächlich belegen Architektur und v.a. die Befestigungsanlagen aus den Jahren um 300 n.Chr., dass auch nachdem das nahe Konstantinopel Hauptstadt des Oströmischen Reiches geworden war, Nicäa seine alte Bedeutung beibehalten oder gar ausbauen konnte: so umschließen die Mauern aus dieser Zeit eine viel größere Fläche als in der Blütezeit Strabos. Im Mittelalter diente die gut befestigte Stadt lange Zeit den byzantinischen Kaisern in Konstantinopel als Bollwerk gegen die Türken.

Die Zeit der Kreuzzüge und das Reich von Nicäa

1077 wurde die Stadt von den Seldschuken erobert und nach heftigen Kämpfen 1078 zu ihrer Hauptstadt erwählt. Das in der Folge immer stärker bedrängte Byzanz sah sich gezwungen, im Westen Hilfe zu suchen, was 1095 zum Ersten Kreuzzug führte, in dem die Kreuzritter die Stadt zwar einnahmen, am Morgen nach der Eroberung aber die Fahne des byzantinischen Kaisers Alexios I. Komnenos über der Stadt wehen sahen. In den Friedensverhandlungen wurde Nicäa den Byzantinern zugesprochen, doch das Verhältnis zum Westen war belastet.
Im 12. Jh. erlebte die Stadt eine Periode relativen Friedens und Wohlstandes, die Region um Nicäa wurde militärisch verstärkt und als Ausgangspunkt für eine verstärkte Präsenz der Byzantiner in Kleinasien genutzt. Als 1204 Konstantinopel im Vierten Kreuzzug an die Europäer fiel, die dort das Lateinische Reich errichteten, und byzantinische Adlige Nachfolgestaaten etwa in Epirus und Trapezunt (Trabzon) errichteten, wurde Nicäa unter Theodor Lascaris , dann Theodor I., zur Haupstadt des wichtigsten dieser Nachfolgestaaten, des Reiches von Nicäa, das das westliche Kleinasien umfasste. Theodor I. und seine Nachfolger konnten ausgehend von der guten militärischen Infrastruktur der Region ihr Reich ausdehnen, bis 1259 Michael VIII. Palaeologus den Thron an sich riss, 1261 Konstantinopel zurückeroberte und das Byzantinische Reich wieder errichtete.

 

Osmanische Zeit

Keramik aus Iznik Krug, Iznik Louvre

Während dieses sich noch bis 1453, bis zum Fall Konstantinopels, trotz zunehmenden Gebietsverlustes halten konnte, verlor es Nicäa 1331 an die Osmanen. Die von Orhan I. eroberte Stadt verlor in der Folge viele ihrer alten öffentlichen Gebäude, die Materialien wurden von den Osmanen für ihre eigenen Bauten verwendet. Mit dem Fall Konstantinopels 1453 verlor Nicäa für längere Zeit an Bedeutung, bis es im 17. Jh. zum Zentrum einer Keramik-Produktion wurde, die nach der Stadt den Namen İznik-Ware trägt. Ursprünglich in Nachahmung chinesischen Porzellans entstanden, entwickelte sich bald eine eigene Formensprache mit floralen und abstrakten Motiven; charakteristisch sind die sieben Farben blau, purpur, rot, grün, türkis, grau und schwarz. Heute hat sich ein Großteil der Produktion nach Kütahya verlagert, İznik ist mittlerweile vorrangig von landwirtschaftlicher Bedeutung und ein Anziehungspunkt für Touristen, die im Stadtbild den Spuren von Römern, Byzantinern und Osmanen folgen. Am bekanntesten ist die Stadt wohl durch das von Konstantin dem Großen hier abgehaltene Erste Konzil von Nicäa.

 

Erstes Konzil von Nicäa

İznik, Hagia Sophia Konstantin der Große war ursprünglich ein Vertreter des Henotheismus (Glaube an einen höchsten Gott im Unterschied zum Monotheismus als Glaube an einen einzigen Gott) und ein Verehrer des Sonnengottes Sol.

Als er vor der entscheidenden Schlacht gegen seinen Rivalen Maxentius beim Blick in die Sonne Balken sah, brachte er diese mit Christus, von dem er von seiner christlichen Mutter wusste, in Verbindung und gelobte, falls dieser „neue“ Gott ihm zum Sieg verhelfe, werde er dessen Religion im ganzen Reich bekannt machen. Nach dem errungenen Sieg in der Schlacht an der Milvischen Brücke am 28. Oktober 312 wurde die Verbreitung des Christentums für Konstantin im typisch römischen Verständnis von religio als ein Geben und Nehmen im Dialog mit den Göttern zur obersten Staatspflicht. Was seinen persönlichen Glauben betrifft, nehmen die meisten Forscher an, dass er bis zur Taufe auf dem Sterbebett 313 eher als Verehrer des Christentums denn als Christ zu bezeichnen ist, obwohl es auch Vertreter gibt, die ihn bereits ab 312 als Christ sehen. Jedenfalls tat er in der Folge alles, um seiner Verpflichtung gegenüber Christus gerecht zu werden. In der sog. Mailänder Vereinbarung wurde bereits 313 im ganzen Reich die Religionsfreiheit garantiert und damit auch das noch einige Jahre zuvor verfolgte Christentum erlaubt. Mit der von Konstantin eingeleiteten sog. Konstantinischen Wende begann der Aufstieg des Christentums zur wichtigsten Religion im Reich.

In diesem kam es jedoch schon bald zu einer Auseinandersetzung, die Christentum und Reich zu spalten drohte. Während einer informellen Diskussion über die Dreieinigkeit, die der Bischof Alexander mit seinen Ältesten 318 in Alexandria führte, erklärte einer der Ältesten, Arius, seine Meinung: es gab eine Zeit, da Jesus nicht war und aus dem Nichts ist er geschaffen, die er mit einigen Bibelversen belegte; seiner Meinung nach war Jesus als Sohn Gottes Gott untergeordnet. Dagegen wehrte sich unter Berufung auf Johannes 1 ein junger Diakon des Bischofs, Athansius: Wenn Arius aus Jesus ein Geschöpf mache, raube er der Menschheit den Erlöser. In einer Synode der Bischöfe von Libyen und Ägypten 319 wurde die Meinung des Arius als Irrlehre verurteilt und Arius aus Alexandria verbannt. Doch u.a. mit der prominenten Unterstützung der Bischöfe Eusebius von Nikomedia und Eusebius von Caesarea, die auch am Kaiserhof Einfluss hatten, verbreitete Arius seine Lehre weiter und fand v.a. unter den gebildeten, von der hellenistischen Philosophie geprägten Schichten Anhänger. Innerhalb kürzester Zeit hatte sich der Streit im gesamten christlichen Osten ausgebreitet und gewann neben den theologischen Diskussionen auch zunehmende Kraft im Volk. Konstantin appellierte persönlich an Alexander und Arius, in der christologischen Frage um die Beziehung zwischen Gott und Jesus Christus zu einer Einigung zu kommen; für Konstantin hatten Einheit und Frieden im Reich, seine Verpflichtung gegenüber Gott und Staat, größere Bedeutung als theologische Streitfragen, deren ganze Tragweite ihm sich nicht ganz erschlossen zu haben scheint. Als eine Einigung nicht eintrat, berief er 325 über 1800 Bischöfe aus dem Osten und dem Westen zum ersten ökumenischen Konzil nach Nicäa. Jedoch kamen nur 318 Bischöfe zusammen, deren Mehrheit zwischen den unversöhnlichen Fronten schwankte. Schließlich griff der Kaiser selbst ein: Aufgrund einer Intervention Konstantins erarbeitete das Konzil die Formeln gezeugt aus dem Wesen des Vaters und gezeugt und ungeschaffen, wesenseins (griechisch μοούσιος homoousios, von gleicher Substanz) mit dem Vater. Das Konzil betonte, dass der Sohn Teil der Dreieinigkeit sei und nicht Teil der Schöpfung. Allen Arianern wurde mit der Exkommunikation gedroht, falls sie nicht dem Nicäischen Glaubensbekenntnis, das diese Lehre zusammenfasste, zustimmten. Arius stimmte nicht zu und wurde verbannt. Seine Schriften wurden verbrannt, auf ihren Besitz stand nunmehr die Todesstrafe. Der arianische Streit war dadurch jedoch nicht beigelegt und belastete das Reich noch bis zum Ende des 4. Jahrhunderts, als das Erste Konzil von Konstantinopel 381 mit einer Neufassung des nicänischen Glaubensbekenntnisses den Streit endgültig beendete. Bemerkenswert ist, dass Konstantin zwar intervenierte, um eine Formulierung zu erreichen, die für die meisten Anwesenden zu unterzeichnen war, dass er jedoch offenbar nicht in die theologische Entscheidung selbst eingriff: Konstantin selbst jedenfalls war alles andere als ein energischer Verfechter des Nizäanums – bereits vier Jahre nach Nicäa war der Arianer Eusebius von Nikomedia sein Hofbischof, von dem er sich auch taufen ließ, er verbannte einige Jahre nach dem Konzil Athanasius, und hätte Arius, den er schon 327 aus der Verbannung zurückgerufen hatte, auch als Priester rehabilitieren lassen, wäre dieser nicht zuvor gestorben.

 

Historische Denkmäler

İznik, Grüne Moschee In den historischen Quellen und Inschriften sind für die römische Zeit von İznik folgende Denkmäler belegt: ein Theater, ein Heiligtum der Götter Roma und des vergöttlichten Caesar (erbaut unter Augustus), ein Apolloneion, ein Forum (erbaut unter Hadrian), ein Aquädukt, Kirchen und ein Palast des Justinian (Procop. De aed. 5.3). Die Münzen aus der Zeit von Marc Aurel und später lassen ebenfalls auf zahlreiche Monumente zurückschließen, darunter ein Tempel des Asklepios, des Dionysos und der Tyche.

Heute zählt neben den imposanten Stadtmauern mit ihren vier Toren v.a. das römische Theater zu den frühen Sehenswürdigkeiten von İznik, weiter verschiedene Grabmäler, darunter der Berbierfels, der Obelisk des Cassius, der Dörttepeler Tumulus und das unterirdische Grab in Hespekli (Hypoge). Zahlreiche bedeutende Sakralbauten belegen noch heute die Bedeutung der Stadt für die christliche Geschichte, namentlich die Aya Sofya und die Hagios Tryphonos Kirche aus byzantinischer Zeit, die Koimesis Kirche sowie die Ayatrifon Kirche; der Senatspalast aus dem 4. Jh. v. Chr., in dem das Erste Konzil von Nicäa stattfand, liegt heute leider unter dem Wasser des İznik Sees begraben. Zeugnis von der Bautätigkeit in osmanischer Zeit geben die Grüne Moschee als herausragendes Beispiel des Übergangs von seldschukischer zu osmanischer Moscheenarchitektur, die HacıÖzbek Moschee, die Mahmut Çelebi Moschee, die Orhan Bey Moschee, das Rüstem PaşaHanı, das İsmail Bey Hamam, das Hacı Hamza Hamam und das Meydan Hamam; besuchenswert sind auch Sheikh Kutbettin Moschee und Grab, Eşref-i Rumi Moschee und Grab, Yakup Çelebi Grab, Kırgızlar Grab, Sarı Saltuk Grab, Hayrettin PaşaGrab, Çandarlı İbrahim PaşaGrab und Armenküche, Çandarlı Halil PaşaGrab, Huysuzlar Grab, Ahiveyn Sultan Grab und das Abdülvahap Sancaktarı Grab. Das heutige Museum von İznikist selbst ein historischer Bau und ein schönes Beispiel für die osmanische Architektur des 14. Jhs. 1338 von Murat I. als İmaret (Armenküche) zum Gedenken an seine Mutter Nilüfer Hatun erbaut, zeigt es zum ersten Mal in der osmanischen Architektur den T-förmigen Grundriss. In den Gründungsjahren der Republik als Lagerhaus verwendet, wurde es 1960 in ein Museum umgewandelt, in dem heute archäologische Fundstücke aus römischer, byzantinischer und osmanischer Zeit zu bewundern sind, die bei den Ausgrabungen der Brennöfen der Stadt zutage kamen. Eine eigene Abteilung im Südtteil des Museums widmet sich den in İznik zwischen dem 15. und 17. Jh. hergestellten Fliesen. Keramik aus dem 11. bis 14. Jh. ist im Nordteil des Museums ausgestellt.

 

Hotels in İznik

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