Tradition lebendig erhalten
Aufgenommen hat die İSMEK ihre Arbeit als soziales Projekt bereits 1996, als der heutige Ministerpräsident Recep Tayyip ERDOĞAN noch der Großstadt Istanbul vorstand. Heute bietet die Organisation in 218 Kurszentren überall in Istanbul kostenlose Kurse zur persönlichen Weiterbildung sowie beruflichen Weiterqualifikation. Neben Computer- und Sprachkursen, einem breiten Angebot an beruflichen Ausbildungszweigen von Altenpflege bis IT, Verschiedenem wie Verkehrserziehung, Erste Hilfe, Zeichensprache und einem breiten Angebot an Sportarten nehmen die Künste einen breiten Raum im Kursangebot der İSMEK ein: in den Zweigen Musik, Kunsthandwerk und türkisch-islamische Künste erhalten Personen jeden Alters und Bildungsstandes die Möglichkeit, ihre Talente zu entdecken und weiterzuentwickeln. Der Zweig Kunsthandwerk alleine umfasst 31 Kurse, die jeweils verschiedenen Materialien und nochmal ihren unterschiedlichen Bearbeitungstechniken im Einzelnen gewidmet sind: Holz, Glas, Textilien (Stoffe, Kleidung, Haustextilien), Keramik, Metalle und Edelmetalle etc. Hinzu treten sieben türkisch-islamische Künste und ein Angebot von 17 Musikinstrumenten und –richtungen.
Wer nun an kreativen Zeitvertreib für Hausfrauen und Rentner denkt, irrt. Die Kursteilnehmer kommen aus allen Alters- und Berufsgruppen, und erhalten eine fundierte Ausbildung in sehr spezifischen Techniken v.a. der traditionellen türkischen und islamischen Künste. Dabei wird besonderen Wert auf den Erhalt der Tradition gelegt: Künste und ihre Techniken, die schon nahezu aus dem Bewusstsein der Bevölkerung verschwunden waren, werden hier als eigenes Erbe wiederentdeckt und mit Leben gefüllt. Wer sich hier ernsthaft einbringt, erreicht professionelles Niveau. Die İSMEK selbst unterhält neben einer Zeitschrift für Kunsthandwerk eigene Verkaufs- und Ausstellungszentren, in denen die Werke der Schüler präsentiert und verkauft werden. Die verschiedenen Ausstellungen zu einzelnen Themen im In- und Ausland sind regelmäßig stark besucht und ein lohnendes Geschäft für die ausstellenden Künstler. Viele der ehemaligen Schüler gehen ihren künstlerischen Weg auch unabhängig von İSMEK weiter, mit eigenen Ausstellungen, Läden und sogar Exporten ins Ausland. Wie etwa der 70-jährige Ilhan Eren, der nach vier Jahren Malerei bei İSMEK im März 2010 seine zweite Gemälde Ausstellung eröffnete – in Kooperation mit einer weiteren Schülerin der İSMEK-Kurse.